HDCP-Kopierschutz

Eumel

MV Core Team
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6.1 Einleitung
HDCP (High-bandwidth Digital Content Protection) ein Verschlüsselungssystem, das für die Schnittstellen DVI und HDMI zur geschützten Ãœbertragung von Audio- und Video-Daten vorgesehen ist. HDCP soll in Europa für HDTV Standard werden. Auch bei Blu-ray bzw. HD-DVD soll HDCP zum Einsatz kommen.

Mit HDCP soll das Abgreifen des Video- und Audiomaterials innerhalb der Verbindung zwischen Sender und Empfänger verhindert werden. Fordert das abspielende Gerät (Sender, z. B. SAT-Receiver oder DVD-Player) eine HDCP-Verbindung, muss die wiedergebende Komponente (Empfänger, z. B. TV-Gerät, Beamer) ebenfalls HDCP unterstützen, um das Video darstellen zu können. Falls die wiedergebende Komponente HDCP nicht unterstützt oder keine digitale Verbindung besteht, kann die Wiedergabe eingeschränkt (z.B. in geringer Auflösung) oder ganz unterbunden werden. Genau genommen wird die Forderung nach HDCP-Verschlüsselung nicht vom abspielenden Gerät selbst erhoben, sondern diesem vom wiederzugebenden Medium mitgeteilt. Ein HDCP-fähiger HDTV-Sat-Receiver etwa wird HDCP nur dann aktivieren, wenn der eingestellte Sender dies gerade verlangt. Wie reagiert werden soll, falls das wiedergebende Gerät kein HDCP unterstützt oder eine nicht HDCP-fähige Verbindung vorliegt (z.B. über Komponenten-Kabel), ist nicht im HDCP-Standard festgelegt. Mögliche Szenarien wären eine Wiedergabe mit reduzierter Bildqualität (durch geringere Auflösung) oder eine Verweigerung der Wiedergabe.

6.2 Technisch
HDCP basiert auf einer Verschlüsselung und kryptografischen Verfahren, um die Authentizität eines Verbindungspartners zu überprüfen. Jedes HDCP-konforme Gerät hat laut Spezifikation 40 Schlüssel gespeichert, die eine Länge von 56 Bit aufweisen. Zum Aufbau einer verschlüsselten Verbindung tauschen beide Komponenten am Anfang der Verbindung ihre IDs aus und verständigen sich auf einen Einmalschlüssel für die weitere Kommunikation. Fortan verläuft die restliche Verbindung per AES-Verschlüsselung. Welche der jeweils 40 Schlüssel der beiden Geräte jeweils verwendet wird, wird ausgehandelt.

Der eigentliche Kopierschutz kommt erst daher zustande, dass der Hersteller eines Gerätes dieses von der Digital Content Protection LLC zertifizieren lassen muss. In den Bestimmungen für die Lizenzierung stehen die Bedingungen, zu denen auch gehört, dass HDCP-verschlüsselte Inhalte nicht aufgezeichnet werden dürfen. HDCP ist somit eine „Einbahnstrasse“: Ist ein Bildsignal erst einmal HDCP-verschlüsselt, darf es von keinem HDCP-lizenzierten Gerät mehr aufgezeichnet werden.

Damit nicht jedes einzelne Gerät zertifiziert werden muss, gibt es für die Serienherstellung Regeln, nach denen z.B. die Chiphersteller den Verkauf der passenden Decoderchips (für den Empfänger) kontrollieren und nur an vertrauenswürdige Partner veräussern dürfen. Als Anforderung für vertrauenswürdige Decoder-Kunden gilt z. B., dass die hergestellten Abspielgeräte keine Punkte (auch innerhalb des Gerätes) zum Abgriff des unverschlüsselten Signals bieten dürfen. Ausserdem sollen die Abspielgeräte in Zukunft über Widerrufslisten verfügen, mit denen unzulässige Decoder-IDs abgelehnt werden sollen.

Eine gravierende Einschränkung innerhalb der HDCP-Spezifikationen ist, dass ein Ausgabegerät parallel zu einem HDCP-Ausgang analoge Videosignale nicht besser als in SD-Qualität (für USA und Japan NTSC, für den Rest der Welt PAL) ausgeben darf. Damit wird verhindert, dass Geräte wie z.B. HD-DVD- oder Blu-Ray-Abspielgeräte überhaupt aufzeichenbare analoge HDTV-Signale ausgeben können.

6.3 Kritik
Bei HDCP handelt es sich nicht um einen Kopierschutz, sondern um einen „Inhaltsschutz“. Das bedeutet, dass nicht lizenzierte Geräte gar keine Chance bekommen, die per HDCP verschlüsselten Inhalte anzuzeigen - völlig unabhängig davon, ob sie überhaupt in der Lage sind, Aufzeichnungen der dargestellten Inhalte anzufertigen oder nicht.

Da es scheinbar einen weiten Interpretationsspielraum für die Implementation von HDCP gibt, bedeutet das Vorhandensein von HDCP-Ausgang am abspielenden Gerät und von HDCP-Eingang am Bildschirm noch nicht zwangsläufig, dass auch ein Bild erscheint. Für den Kunden stellt sich dann die Frage, ob das abspielende oder das darstellende Gerät für die Fehlfunktionen verantwortlich sind.

HDCP selbst legt in seinen Zertifizierungsrichtlinien teilweise sehr enge Beschränkungen auf „ungeschützte“, das heisst z.B. analoge Ausgänge für Bild und Ton: Diese Einschränkungen gehen z.T. über das hinaus, was die Geräte wie z.B. DVD-Spieler aufgrund ihrer eigenen Rechtemanagement-Systeme bieten dürfen. Welche der Einschränkungen dann letzten Endes zur Geltung kommt, ist scheinbar Interpretationssache: HDTV-Empfänger wie der PR-HD1000 von HUMAX haben zwar HDTV-taugliche analoge Komponentenausgänge, diese dürften aber bei aktiviertem HDCP gar nicht mehr mit Signalen bedient werden, gleiches gilt für Tonausgabe: Einen 5.1-Dekoder dürfte es laut HDCP-Spezifikationen an keinem handelsüblichen DVD-Player mit DVI-Ausgang geben, es wäre sogar nur die Ausgabe von matrix-kodiertem Stereoton erlaubt.

6.4 HDCP im Einsatz
Die auf DVI basierende Steckernorm HDMI setzt für kompatible Geräte eine Unterstützung von HDCP voraus; hier wird ausserdem mindestens der Standard 1.1 verlangt, der ausser den Bildsignalen auch die Tonsignale verschlüsselt und damit vor Aufnahmen schützt.

Am 19. Januar 2005 verkündigte der Industrieverband EICTA (European Industry Association for Information Systems) unter anderem HDCP als eine der vorausgesetzten Komponenten für das „HD Ready“ Label von hochauflösenden (Fernseh-)Bildschirmen.

Quelle: Belsat.ch
 
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